Dieser Raum zeigt, wie facettenreich die Figur Till Eulenspiegel ist – und auf wie viele verschiedene Arten Künstlerinnen und Künstler sie immer wieder neu interpretiert haben.
Das Bild hinter mir von Olaf Trödel zeigt den Eulenspiegelbrunnen, der bis heute im Bäckerklint in Braunschweig steht – dem historischen Altstadtquartier, in dem sich der Bäckerladen befunden haben soll, in dem Eulenspiegel „Eulen und Meerkatzen“ gebacken hat. Dieser Brunnen wurde von einem jüdischen Bankier der Stadt Braunschweig gestiftet und ist das einzige Bauwerk des historischen Bäckerklints, das die Bombennächte des Zweiten Weltkriegs überstanden hat.
Die Nationalsozialisten machten aus diesem erhalten gebliebenen Eulenspiegel wiederum ein für ihre Propaganda nutzbares Symbol für den Widerstandsgeist, den die Deutschen auch noch im Jahr 1945 zeigen sollten. Wenn man sich das Bild und seine Farbgebung genauer ansieht, kann man fast erahnen, dass es hier vielleicht nicht nur um den Eulenspiegelbrunnen geht, sondern auch um die Bombennächte in Braunschweig.
In der Zeit des Nationalsozialismus entstanden jedoch nicht nur Bilder, die Till Eulenspiegel als Symbol für den Widerstandsgeist der Deutschen zeigen sollten. Es gab auch Darstellungen, die ihn als subversiven Kritiker ins Bild setzten.
So zeigt das Bild von Josef Hegenbart eine bekannte Geschichte: Till als Seiltänzer, der seine Schuhe in die Menge fallen lässt und damit Chaos auslöst.
Hegenbart zeichnete dieses Bild 1942 – veröffentlichen konnte er es allerdings nicht. Hier erscheint Till als jemand, der über den gesellschaftlichen Verhältnissen tanzt und mit einem einzigen Streich totales Chaos auslöst. Eine Botschaft, die in der Zeit des Nationalsozialismus und unter der Diktatur natürlich subversiv war.
Ein weiteres Bild, das den Facettenreichtum der Figur Till Eulenspiegel thematisiert, ist das Werk von Adi Holzer mit dem Titel Till der Narr.
Es zeigt Till als Narren mit drei Gesichtern. Zwei davon erkennt man auf den ersten Blick: den lustigen Narren, der eine Grimasse schneidet, und auf der Rückseite des Kopfes den Dämon – die finsteren Seiten der Figur.
Besonders faszinierend ist jedoch das, was sich dazwischen befindet, wenn man genauer hinschaut: das Gesicht eines ganz normalen Menschen, der sich zwischen den Extremen von Lustig und Böse wiederfindet.